POB (person over board)-Manöver

Eine Person-über-Bord-Situation ist eine der denkbar schlimmsten Erlebnisse auf See. Als Hilfestellung für eine rasche und sichere Rettung der fehlenden Crewmitglieder haben wir hier eine Liste der anerkanntesten Manöver zusammengestellt.

Denke immer an die wichtigste Regel: bleibe ruhig!

Weitere Schritte, an die Du denken solltest, sind:

1. Alarmiere Deine Crew mit dem Ruf „Person über Bord“
2. Stelle sicher, dass ein Crewmitglied Sichtkontakt zur über-Bord-gegangenen Person hält
3. Speichere die GPS-Position
4. 
Positioniere Deine Crew für die Rettung
5. Rufe per Funk Hilfe

„Klassische“ Wende

1. Unabhängig vom aktuell gesegelten Kurs beginnt jede „Kuhwende“ gleich: mit dem Ruf „Person über Bord“, dem Ausbringen von Rettungsmitteln (Rettungsring, Boje etc.) und dem Einteilen eines Beobachters.
2. Der Steuermann sollte unmittelbar entweder anluven oder abfallen (je nach Kurs zum Wind), um auf einen Halbwind-Kurs zu kommen.

3. Segle sechs bis acht Bootslängen auf Halbwind-Kurs.
4. Nach der nun folgenden Wende falle ab auf Raumschot-Kurs, allerdings nur kurz bis Du Dein Fahrwasser gekreuzt hast.

5. Nähere Dich bis auf etwa zwei Bootslängen an, mache einen Aufschiesser in den Wind, fiere die Schoten und nimm die über-Bord-gegangene Person auf der Leeseite an Bord. Die Geschwindigkeit sollte nicht mehr als 1 bis 2 Knoten betragen, die Schoten müssen frei sei.

Vorteile

Die Kuhwende ist die klassische Methode und wird häufig Segelanfängern auf kleinen Schiffen beigebracht. Da das Manöver aus nur einer großen Wende besteht, ist die Gefahr einer unkontrollierten Halse (Patenthalse) mit im schlimmsten Fall weiteren Personenschäden gebannt.

Nachteile

Ein wesentlicher Punkt ist die Entfernung von der über-Bord-gegangenen Person für sechs bis acht Bootslängen, bevor der Kurs wieder zur Person in Not führt. Bedenkend, dass der Beobachter meist nur den Kopf der über-Bord-gegangenen Person sieht, besteht vor allem bei rauer See die Gefahr, den Sichtkontakt zu verlieren.

Es können noch weitere Fehler in der Ausführung passieren. Oftmals geschieht das Anluven oder Abfallen auf Halbwind-Kurs nicht rasch genug, ebenso wird nicht lange genug auf diesem Kurs gesegelt. Beide dieser Fehler führen zu Verzögerungen im gesamten Manöver. Generell kann es bei der Einschätzung der Dauer auf den einzelnen Kursen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, wodurch zusätzliche Wenden notwendig werden können. Selbst bei absolut lehrbuchmäßiger Ausführung ist die Aufnahme der über-Bord-gegangenen Person bei 1 bis 2 Knoten eine Herausforderung. Die Übung mit einer Boje ist eine Sache, bei realen Personen wird es wesentlich komplizierter.

Halse bei vorlichem/achterlichen Winden

bei vorlichem Wind
1. Sofort “Person über Bord” rufen, Rettungsmitteln ausbringen (Rettungsring, Boje etc.) und einen Beobachter einteilen.
2. Zeitgleich abfallen und die Halse einleiten. Das Großsegel sollte durch den vorherigen Kurs bereits dichtgeholt sein, falls nicht sollte entweder ein Crewmitglied oder der Steuermann das Großsegel mittschiffs bringen, bevor die Halse gefahren wird.
3. Boot halsen (mit dem Heck durch den Wind).
4. Widerstehe dem Drang, sofort direkten Kurs auf die über-Bord-gegangene Person nehmen und peile einen Punkt direkt in deren Lee an (vom Wind weg). Die Stoppdistanz variiert je nach Schiff und Wetter-/Seebedingungen, meistens sind zwischen 1 und 2 Bootslängen im Lee ausreichend.
5. Steuere direkt in den Wind (Aufschiesser), lasse die Segel killen und versuche möglichst nah neben der im Wasser treibenden Person stehenzubleiben.

bei achterlichem Wind
1. Auch bei achertlichem Wind sofort „Person über Bord“ rufe, Rettungsmittel ausbringen und einen Beobachter einteilen.
2. Für die Halse ein Crewmitglied einteilen, dass das Großsegel so schnell als möglich mittschiffs holt. Händisches einholen ist wesentlich schneller, daher vom Gebrauch der Winsch absehen.
3. Halse durchführen.
4. Genua oder Fock komplett fieren, wenn Du einen Punkt direkt im Lee der über-Bord-gegangenen Person erreicht hast.
5. Mache einen Aufschiesser mit gefierten Segeln und versuche, möglichst nahe bei der über-Bord-gegangenen Person zum Stehen zu kommen.

Vorteile

In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Halse kombiniert mit einem Aufschiesser verglichen mit der Quickstop-Methode etwa doppelt so schnell ist und zwischen sechs- und achtmal schneller als die „klassische“ Wende/Kuhwende. Das Boot driftet nicht zur Seite, was beim Beidrehen stets zu bedenken ist.

Nachteile

Ohne die entsprechende Übung wird das Boot regelmäßig zu weit im Lee der über-Bord-gegangenen Person zum Stehen kommen. Der Motor kann dann nur verwendet werden, wenn es sicher genug ist. Er wird immer dann gebraucht, wenn die Halse zu langsam kompletiert wird und fast jedes Mal, wenn dieses Manöver mit einem Katamaran versucht wird. Dieser stoppt wesentlich schneller bei einem Aufschiesser als es ein Einrumpfboot. Solltest Du Dich entscheiden, den Motor zu verwenden, musst Du immer darauf achten auf den letzten Metern in den Leerlauf zu stellen und kein Crewmitglied/keine über-Bord-gegangene Person zu lange den Abgasen auszusetzen. Es versteht sich von selbst, dass Du darauf achten musst, keine Leinen im Wasser zu haben, wenn Du den Gang wieder einlegst.

Die Halse kombiniert mit einem Aufschiesser kann gefährlich werden, wenn die Crew – egal aus welchen Gründen – den Großbaum nicht mittschiffs bringt (Gefahr einer Patenthalse!). Auch benötigt dieses Manöver mehr seemännisches Können bei der Manövrierung des Schiffes als andere Methoden. Dadurch kann es bei manchen Booten und/oder unerfahrenen Crews zu Komplikationen führen.

Unter Motor

1. Rufe “Person über Bord”.
2. Bringe Rettungsmittel (Rettungsringe, Boje, …) oder andere schwimmende Gegenstände aus.
3. Teile einen Beobachter ein, der stets Augenkontakt hält.
4. Bringe das Boot in Luv der über-Bord-gegangenen Person und stelle Dich mit der Breitseite leicht gegen den Wind.
5. Erlaube dem Wind das Boot langsam und sanft in Richtung der über-Bord-gegangenen Person zu drücken, während Du die Position mit dem Motor kontrollierst.
6. Lasse Deine Crew Leinen ausbringen und stelle sicher, dass Du den Motor abstellt, sobald Du nahe genug bist.

Vorteile

Es ist eine der schnellsten und direktesten Methoden, einen über-Bord-gegangene Person zu retten.

Nachteile

Die wichtigste Regel bei diesem Manöver lautet: Motor stoppen!
Leider wird gerade in Stresssituationen mitunter darauf vergessen; sobald der Gedanke kommt, ist es meistens schon zu spät. Darum nochmals: bitte niemals vergessen den Motor zu stoppen!

Quickstop

1. Rufe „Person über Bord“, bringe Rettungsmittel aus und teile einen Beobachter ein.
2. Stelle das Boot direkt in den Wind und bringe es zum Halten/nahezu zum Halten.
3. Bei unveränderter Segelstellung des Großsegels, stelle die Fock bzw. die Genua back und führe eine Wende durch.
4. Falle ab und segle einen Kreis um die im Wasser befindliche Person.
5. Fier auf die Fock bzw. die Genua und wende nochmals.
6. Steuere nun mit killenden Segeln auf die über-Bord-gegangene Person zu und nimm sie auf der Leeseite wieder an Bord. Weitere Varianten dieser Methode sind das Bergen (Rollreff) oder lösen des Fock-/Genuafalls bei achterlichem Wind. Ebenso wird manchmal die Annäherung hart am Wind bzw. im Wind empfohlen.

Vorteile

Die Quickstop-Methode ist schneller als die „klassische“ Wende/Kuhwende, wie Studien der  United States Yacht Racing Union (USYRU) gezeigt haben.

Nachteile

Ein Aufschiesser in den Wind und sofortige Stehenbleiben/Beinahe-Stehenbleiben ergibt nur dann Sinn, wenn der Skipper diese Position halten will und die über-Bord-gegangene Person schnell genug zum Boot schwimmen kann. Andernfalls wird wichtige Zeit verloren und vor der Wende Geschwindigkeit abgebaut. Wenden, einen Kreis um die im Wasser befindliche Person zu fahren und dann zu halsen sind ebenfalls zeitintensiv.

Warum also nicht die ersten beiden Schritte auslassen und gleich halsen?

In den Erklärungen zur Quickstop-Methode wird regelmäßig davon ausgegangen, dass das Schiff mit vorlichem Wind fährt. Bei achterlichem Wind kann es schwierig und zeitlich sehr aufwändig sein, eine Wende um die im Wasser befindliche Person zu fahren. Eine Halse wäre hier wesentlich schneller. Ebenso kann der Aufschiesser bei der Annäherung dazu führen, dass das Schiff nicht langsam genug ist, um die über-Bord-gegangene Person aufzunehmen.